Buch

 

Einleitung aus „Der buddhistische Lebensberater für jeden Tag“

 

Heutzutage denken manche Leute an asiatischen Tempel, Mönchsroben und einsamen Plätze in schönster Natur, wenn sie das Wort Buddhismus hören. Dazu stellen sie sich Stille, inneren Frieden und eine besinnliche Stimmung vor, getränkt im Duft von Räucherwerk. Wie soll diese Idylle in den hektischen Alltag passen, der bis zum Rand angefüllt ist mit Anforderungen in der Arbeit und von der Familie, wo Stress herrscht und man allzu oft die Fassung verliert? Die beiden Welten scheinen unvereinbar. Vielleicht schafft man es einmal in der Woche zum Meditationsabend oder zum Yogakurs – einer Art spirituellen Auszeit – aber dann geht es zurück in die ‚wahre’ Welt, die nichts mit Besinnlichkeit zu tun hat.

Ich möchte in diesem Buch zeigen, dass eine solche Trennung zwischen Alltag und spiritueller Praxis eine Illusion ist und noch mehr: sie ist grundlegend verkehrt. Die Anweisungen des Buddhas sind dazu gedacht unseren Geist zu schulen in allen Lebenslagen den inneren Frieden zu bewahren und Liebe sowie Mitgefühl zu entwickeln. Meditation und der Rückzug in die Abgeschiedenheit sind lediglich Mittel, um unseren Geist zu stärken damit wir besser im Alltag klar kommen. Aber auf keinen Fall sollten zwei verschiedene, von einander unabhängige Welten erschaffen werden.

Deshalb habe ich in meinem kleinen Lebensberater verschiedene Alltagsthemen angesprochen mit denen jeder von uns zum konfrontiert wird. Sei es zum Beispiel Ärger oder Eifersucht, Emotionen, die immer wieder in unserem achtstündigen Arbeitstag auftauchen und wir überwinden möchten, oder Zufriedenheit, die wir gerne verstärken würden. Jedes Kapitel beginnt mit einer Definition des Begriffs und dann wie wir im Alltag damit umgehen können. Natürlich habe ich hauptsächlich auf mein buddhistisches Wissen zurück gegriffen, was ich mit in meinen 17 Studienjahren im Kloster angeeignet habe, aber auch meine persönlichen Erfahrungen als Yakhirte im Himalaya und buddhistischer Lehrer in verschiedenen Ländern der Welt. Zusätzlich habe ich auch meine Erkenntnisse aus Gesprächen mit Ärzten, Psychologen, Wissenschaftler, Gelehrten aus anderen Religionen sowie aus besonders privaten Gesprächen in denen Freunde und Schüler ihre Probleme mit mir geteilt haben, hinzugezogen, um dem Leser einen weitgreifenden Einblick zu verschaffen, der auch die westliche Sichtweise mit einschließt. Alle Beobachtungen sind hier zusammengefasst in der Hoffnung, dass dies das Leben vieler Menschen verbessert und ihre Schwierigkeiten zu vermindert. Das ist der wichtigste Punkt und eine Einführung in den Buddhismus ist in diesem Zusammenhang eine Nebensache.

Kathmandu, Nepal

Januar 2015

 

Dolpo Tulku Rinpoche